Vision&Wandel-Zentrum für interkulturelle Begegnung und Kommunikation


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Samhain 2009 im Keltendorf/Diex

Photo Gallerien

Samhain - Das Ende des Sommers



Schon als wir ankamen war die Stimmung sehr mystisch und wir hörten auf der Fahrt die CD von W.D.Storl über diese Nacht die den Übergang vom alten ins Neue Jahr symbolisierte. Und genau diese Nacht stellt auch wieder einen freien Raum dar, zwischen dem alten und dem Neuen. Er erzählte, daß in solchen Zwischenräumen alles möglich ist. Die Wände zwischen den Welten werden besonders dünn oder lösen sich auf. Diese Übergänge von einem Zwischenraum zum anderen gleichen einem Niemandsland, wo weder Ordnung noch Gesetz herrschen, in dem die Jenseitigen die Menschenwelt besuchen und andererseits die Menschen mit Hilfe von Rausch, Trance oder Ekstase leichter mit der sogenannten "Anderswelt" verkehren können. Der Vorläufer von Samhain wurde in Irland schon vor 5000 Jahren gefeiert. Es zählt somit zu den immer noch bekannten ältesten Festtagen der Menschheit. Das ursprüngliche Samhain ist als üppiges und ausgelassenes,in gewisserweise "orgiastisches" aber auch "heiliges Fest" überliefert, bei dem Körper, Geist und Seele zugleich auf ihre Kosten kamen und so freuten wir uns nun auf das Keltische Neujahr oder "Hexen- Sylvester".

Eng verbunden mit Halloween sind Kürbisse aller Art. Das repräsentiert zum einen noch einmal den Ernteaspekt. Jack´o´laterns nennt man jene ausgehöhlten und geschnitzten Kürbisgesichter die uns hier angrinsen. Mit diesen Grimassen-Laternen und -Kürbisse verschrecken wir die unliebsame Geister und halten sie fern. Nach einem irischen Brauch wurden früher pro Kind aus der Familie ein derartiger Kopf erstellt, um das Kind vor den Geistern zu schützen. Jedenfalls machte es großen Spaß die Kürbisse zu schnitzen und uns anschließend zu schmücken und zu bemahlen für das Fest zu Ehren der Ahnen.
Hier die Geschichte vom Halloween-Kürbis der ursprünglich eine Rübe war.

Kerzen im Fenster soll hingegen dafür sorgen, dass sich die Geister der Verwandten nicht verlaufen und in dieser Nacht den Weg zu ihrer früheren Wohnstätte finden. Zu diesem Zwecke gingen wir durchs Haus und zündeten abwechselnd Teelichter für jeweils eine Ahnin, einen Ahnen an. Für jemanden aus dem Verwandtenkreis, für spirituelle AhnInnen oder Vorbilder. Gerade in dieser Nacht schenken wir Ihnen besondere Aufmerksamkeit, z.b. auch in Form einer Mahlzeit die wir für sie dann im Rundhaus bereitstellten. Es gab die leckere Kürbis Suppe und traditionell einen ganz feinen Schweinebraten mit Wurzelgemüse.

Ein afrikanisches Sprichwort sagt:„Wir sind groß, weil wir auf den Schultern unserer AhnInnen stehen.“
AhnInnen stiften Werte und Traditionen, auf denen wir aufbauen können. Aber sie hinterlassen uns auch unerledigte Dinge und Tabus, über die im Familienkreis meist geschwiegen wird: Das, worüber nicht gesprochen wird, alles, was nicht gefühlt werden darf, aber spürbar ist, lastet auf uns Lebenden. Wollen wir das nicht stumm auf die nächsten Generationen weitergeben, können wir es anschauen, akzeptieren und loslassen. Der Samhain-Abend ist eine passende Gelegenheit, diesem einen rituellen und feierlichen Rahmen zu geben.

Dann wurde reihum erzählt – das, wofür man diese Person ehrt und schätzt, etwas, woran man sich gerne erinnert, aber auch was ärgerlich war, gekränkt, verletzt hat. Wem das zu persönlich war, der tat das im Stillen. Es sollte vor allem um Dank und Aussöhnung gehen. Vielleicht um tieferes Verständnis oder auch um eine ganz bewusste Distanzierung von überlieferten Mustern, Traditionen, Rollenbildern, Tabus.

Wir sprachen noch lange über den besonders hohen Stellenwert der Ahnen in den alten Kulturen, sangen Lieder und hatten noch viel Spass zusammen bis spät in die Nacht.
Der Tag darauf stand ganz im Zeichen von Tod (verabschieden), Transformation (Verwandlung) und schließlich Wiedergeburt (Neubeginn). Die Totengeister und Gespenster schwärmen aus.Wer es bislang noch nicht gewagt hat sich mit seinen dunklen Seiten auseinander zu setzen, für den ist jetzt der richtige Zeitpunkt. So verwandelten wir uns in dunkle schaurige Gestalten die direkt aus der Unterwelt hervor krochen.

Hel, Holla oder Percht ist sowohl die die Gebieterin über die Schattenwelt, in ihrem Namen ist aber auch die Wortwurzel "hell" inkludiert. Zu ihr gehört nicht nur Blüte und Reife sondern auch Ruhe und Dunkelheit. Jetzt in dieser Zeit nimmt sie alles auf in ihrem Schoß und rührt in Ihrem großen Kessel der Verwandlung die Ursuppe, aus der Leben, Tod und Wiedergeburt, Transformation und Inspiration hervorgeht. Mit ihrer Sichel schneidet sie den Lebensfaden aller Dinge ab und schafft damit Platz für Neues. Es tut gut, sich jetzt der "Weisen Alten" anzuvertrauen.

Jetzt feiert der schwarze Gott Samhain den Antritt seiner Herrschaft. Er ist ein Schlächter und Jäger. Er erlegt Cernunnos den Sonnenhirsch, raubt dessen Gattin die Erdgöttin, und verschleppt sie in sein unterirdisches Reich. Dort herrscht sie nun als Totengöttin, hütet die Seelen Verstorbener, die schlafenden Samen und die im Winterschlaf erstarrten Tiere. Auch der Seele der Tiere, die zu dieser Zeit geschlachtet, geräuchert und eingepökelt werden, nimmt sie sich an.
Cernunnos der Hirsch verkörpert die Sonne welche die Erde befruchtet, den Schoß der Göttin, sodaß die Vegetation spriest und wächst.

Der Jahreskreis beginnt der keltischen Tradition folgend mit Samhain, dem keltischen Neujahrsanfang und bildet die Achse zu Beltane. An Beltane stellten wir den Maibaum auf, den Weltenbaum und Fruchtbarkeits Symbol. Nun, da alles Leben über der Erde sich transformiert, sich zurückzieht in die Unterwelt, in die Wurzeln, so wie die Natur, wenden wir uns unserem Inneren zu. Es ist Wurzelzeit, Zeit zum Denken, Zeit, neue Kräfte zu sammeln, um im Frühjahr mit neuer Kraft neues Leben zu zeigen. Aus diesen Gedanken spricht die Naturverbundenheit hier im Keltendorf, wo wir unser Leben komplett nach dem natürlichen Rhythmus ausrichteten. So wird der Baum heute von den dunklen Gestalten gefällt.

Nun geht es um das bewusste Begrüßen und um eine möglichst nährende und kraftvolle Vision jener Zeit, die nun beginnt. Wohin wird uns unsere Reise durch die Nacht des Jahres führen.

Hel und Percht wird uns durch die Rauhnächte führen. Heute ist Sie mitten unter uns und lehrt uns das Gruseln. Sie ist aber auch Beschützerin und Lichtbringerin. Wer sich ihr anvertraut, wird durch die Dunkelheit geleitet, um neuerlich ans irdische Licht zu treten. Hier sitzt Sie mit Ihren Hunden als Begleiter der Toten, die den Weg in die Unterwelt gehen und daraus wieder zurück zu den Lebenden gelangen. Vor Ihr der Lebkuchen oder "Lebenskuchen" die Speise zum Leben. Früher wurden oft heilsame Kräuter in einen Kuchen eingebacken. In dieser schmackhaften Form wurden sie dann den Kranken gereicht, die sich an diesen Lebenskuchen „gesund essen“ konnten.

Botschaften aus der „Anderswelt“ können auf vielzählige Art erhascht werden. In dieser Nacht war der Tod das zentrale Thema. Für die Kelten war der Verlust des physischen Körpers kein devinitives Ende sondern stand für Transformation und schließlich für Wiedergeburt. Wir sprachen über unsere Erlebnisse und Einstellung zum Tod. Dabei wärmte der Glühwein und das Feuer unsere Körper.

Wir machten uns Gedanken, was wir sterben lassen wollen; Dinge die uns in unserem persönlichen Wachstum behindern um sie in einer Prozession symbolisch zu begraben. Wir hoben zusammen ein Grab aus, die große Göttin Hel wurde angerufen um mit Ihrer Sichel den Lebensfaden alles Negativen zu durchschneiden.

"Jahre vergehen und sind auf immer vergangen, aber ein schöner Tag leuchted ein Leben hindurch".



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