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Amazonien Regenwald
Durch seine enorme Ausdehnung kontrolliert er bis weit in den Atlantik hinein die atmosphärische Zirkulation. Im nordhemisphärischen Winter und Frühling steigt über dem Amazonasbecken, das größer ist als die USA, die feuchte Luft auf. Das führt zur großräumigen Konvergenz, die auch die Passatwinde vom Atlantik anzieht. Diese führen zusätzliche Feuchtigkeit von den Meeren heran, die die Flüsse speist.
Als günstiger Nebeneffekt wird die Meeresoberfläche abgekühlt, da die Verdunstungswärme, die verdampfendes Wasser dem Meer entzieht, mit den Winden abtransportiert wird. Der Amazonas fungiert also zumindest während eines Teils des Jahres für die Nordatlantikregion als Thermostat. Fiele er aus, wäre die Meeresoberflächentemperatur noch höher und damit auch die Intensität und Entstehungs-Wahrscheinlichkeit der Hurrikane.
Wissenschaftler wie Antonio Nobre vom Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia (INPA) verweisen auf die kritische Wald-Größe, die notwendig ist, um diesen Thermostat-Effekt aufrecht zu erhalten. Computersimulationen lägen nahe, dass diese bei den erwähnten 50 Prozent der ursprünglichen Fläche liegen.
Schrumpft der Wald weiter, so könnte die Entwicklung schnell auf die schiefe Ebene geraten: Die Zirkulation schwächt sich ab, der Amazonas bekommt zu wenig Feuchtigkeit. Dadurch trocknet er aus, was die Zirkulation weiter abschwächt. Am Ende bliebe nur noch eine trockene Buschlandschaft. Oder Schlimmeres.
Die jüngsten Forschungsergebnisse legen nahe, dass der Amazonasregenwald wesentlich sensibler ist, als bisher angenommen. Verschwindet er, werden nicht nur große Mengen zusätzlicher Treibhausgase freigesetzt, sondern es geht dem Planeten auch wesentlicher Kühlmechanismus verloren. Beides würde den Treibhauseffekt merklich verstärken, und zwar innerhalb kurzer Zeit.